Weekender im September

Hard facts

Bedingungen: Ruppige Böhen

Crew & Ship: Einhand mit Bordhund Frieda unterwegs auf FINJA

Route: via Sleattemer Mar, Woudsend, Nauwe Wimerts, Passantenhaven Heegerwâl, Heegemer Mar, Woudsend, Sleattemer Mar, Sloten

Ein bequemes Wochenende bei Schietwetter unter Deck, Diesel-Heizung in Schwung gebracht und mit dem Laptop in den Salon kuscheln   -   So ähnlich war der Plan für das "dezent" Herbstliche Wochenende. Hat super funktioniert, bis mich Samstag Mittag eine Nachricht vom Stegnachbar Tim aus der Koje warf:

"Hi, wir sind auf dem Weg ins Sneekermeer und Ziel ist heute noch Heeg. Fährst Du heute noch raus? Schon fast in Leeuwarden, bester Wind heute."

Ich wiederum schmiss die alten Pläne über Bord und kramte die 6€ Brückensold für Sloten zusammen, tankte einige Liter Benzin für den Außenborder. Noch ein Blick in die Windvorhersage - Ich setzte die Sturmfock, band das Groß ins zweite Reff und schmiss die Leinen. Raus aus dem Hafen und rein ins Wochenend-Abenteuer.
Teilweise sonnig, bewölkt und herbstlich ruppige Böen aus SSW. Für uns hieß das erstmal Rückenwind. 300 Meter bis zur Brücke. Diese stand schon offen, aber mit rotem Lichtsignal - Gegenverkehr! Drei Motorboote. Ich hielt langsam, immer wieder aufstoppend auf die Brücke zu und die Hoffnung auf ein grünes Lichtsignal erlosch als die Brücke nach dem Gegenverkehr vor meiner Nase schloss. Ich drehte ab, in den Wind und hielt das Boot so lange ruhig bis der Brückenwerter nun doch scharf auf meine 3 Taler wurde und die Brücke wieder öffnete. Ich düste los als hätte ich auf dem Schulweg den Bus verpasst. Nach der Brücke wurden die Segel gesetzt. Raumwind bis Wind von achtern im schnellen Wechsel denn die Böen kamen mal wieder aus einer anderen Richtung als der konstante Wind. Das Vorsegel füllte sich immer nur mit Wind um kurz darauf wieder einzufallen. Das Großsegel auf die Böen getrimmt und ab aufs Sleattemer Mar. Noch begleiten uns leichte aber spürbare Wellen und so rollten wir eine Weile in einem angenehmen Tempo vor uns hin. In Richtung Balk, einem schönen Nachbarort von Sloten, waren einige Segler unterwegs.

Sturmtaktik auf dem Sleattemer Mar - Bei dem Blick fiel von Süden bis Westnordwest eine dunkelblaue Wand auf die auffällig viel Regen unter sich verlor. Meine Hoffnung - nachtrimmen und schnell die Landabdeckung in Woudsend erreichen. Kurz vor der Ausfahrt lies der Wind einen Moment nach und ich nutzte die Gelegenheit, schnell das Groß am Mast zu bergen. Zurück im Steuerstand wollte ich es grade mit Zeisingen sichern, da luvte Finja an und mit einem Satz befanden wir uns längsseits zur Welle und das Vorsegel erfreute sich seiner Aufgabe. Als die Reeling dem Wasser gefährlich nahe kam, schmiss ich die Fockschot los und versuchte das Segel einzurollen. Wie das bei Starkwind an FINJA immer der Fall ist, bleibt die aufgerollte Fock in der oberen Hälfte sehr locker und bietet dem Wind ganz praktische Taschen in denen er sich ganz wunderbar austoben kann. Die graue Wand war also inzwischen über uns, mit Starkwind und leichtem Regen.
Ich riss den Motor an und presste das Ruder von mir weg. Mist. Zu wenig Fahrt, um gegen an in den Wind zu steuern. Dann eben vor Wind und Welle ablaufen, denke ich mir. Zum Glück direkt in die Ausfahrt nach Woudsend, wo noch ein weiterer Segler Zuflucht in der Landabdeckung suchte.
Dann fiel mir die Dirk ins Auge. Ein Seil, welches den Baum am hinteren Ende in der Luft hält, während das Großsegel gerade nicht gesetzt ist. Sie hatte sich hinter das Saling-Endstück gekrallt und riss nun an einer dieser Querstangen am Mast herum. Ich löste die Dirk komplett und legte den Baum vorsichtig auf dem Kajütdach am Handlauf ab. Kurz vor der Brücke in Woudsend wurde der Regen stärker. Dafür hatten wir hier mehr Glück mit der Brücke. Nach dem Gegenverkehr durfte ich passieren.
Ich machte an einem Marrekrite-Liegeplatz fest und sortierte erstmal sämtliche Leinen und Fallen und Nervenenden. Für einen Kaffee war aber keine Zeit. Nach 10 Minuten war die dunkelblaue Wand durchgezogen und die Sonne zeigte sich scheinheilig. Ich half noch einem Motorboot beim Festmachen und legte dann wieder ab, weiter über die "Nauwe Wimerts" in Richtung Heeg.
Hier setzte ich die Fock und konnte einen Moment lang die Weite und den Wind in dieser tollen Landschaft genießen. Es begleitete uns ein flaches Motorboot mit ungewöhnlich langer Kuchenbude, so nennt man diese Stoffzelte die man über dem Steuerstand vieler Boote beobachten kann. Dieses Planwagenartige Gefährt war uns schon in Woudsend vor der Brücke begegnet. Heraus prostete einem eine feuchtfröhliche Gesellschaft zu, was meine konzentrierte Stimmung etwas auflockerte. Dann überholte es uns schließlich und jodelte davon. 
Ich kam an die Abzweigung zum "Johan Frisokanaal" und musste nach links abbiegen. Kursänderung um rund 90° Backbord, womit der Gegenwind zu Hoch für uns wurde. Ich rollte die Fock ein und der Motor hatte ordentlich zu tun.
Erstes Törnziel   -   Kurz darauf erreichten wir den super geschützten, und rundum angenehmen Passantenhaven Heegerwâl. Mit einem Manko für kleine Boote. Dies ist für mich in diesem Segelrevier der erste Hafen, wo das Haupt-Sanitärgebäude nicht da steht wo die kleinen Boote liegen. Verschmerzbar, wenns nicht regnet. Zudem ist man auf dem Boot ohnehin sozial eher unterversorgt und beim Gang zum Klo findet man die besten Gesprächsgelegenheiten. Je dringender man muss, desto länger werden die Smalltalks. Zum Beispiel über Schlafmöglichkeiten von 6 Erwachsenen in einem Polyvalk. 
Stegnachbar Tim meldete inzwischen, dass er mehrere Brücken umfahren müsse und hoffe, noch durch die letzte Brücke zu kommen bevor die um 19:00 Uhr schließt. Wir deckten uns so lange auf unserer Gassi-Runde im Supermarkt mit Nachschub für die spärliche Kombüse ein und beseitigten die restlichen Spuren der Kaffeetassen-Explosion unter Deck, die sich in unserem Malheur vom Sleattemer Mar ereignet haben musste. Normalerweise fährt FINJA doch mit auffällig wenig Krängung.

Grade noch bei Dämmerung schipperte die Momo mit Tim und Crew an Bord in den Hafen. Nachdem wir auch die Momo vertäut hatten, kehrten wir noch in einer gemütlichen Stube ein und erzählten von unseren Törn`s. Und weil die FINJA auf dem Rückweg zur Momo lag, gab es noch eine kleine gesellige Runde bei uns an Bord.

Mein Fazit - Einhandsegeln ist Abenteuer pur - vor allem wenn der Bordhund schlauer wirkt als der Skipper. Trotzdem: Finja hat uns sicher nach Heeg und zurück gebracht und die Böen waren am Ende nur eine gute Geschichte für`n Logblog. Heeg ist wie immer einer unserer Favoriten in Fryslân - allgemein sehr angenehme Gesellschaft, Restaurantbesuche sind wählbar preisbewusst, der kleine Passantenhaven ist erster Klasse. Es hat fußläufig eigentlich alles was wir brauchen.

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